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Khénifra

Khénifra
Khénifra Blick auf Khénifra in Marokko - Foto: Wikipedia - Autor: ANASSE J25 - Lizenz: s.u.





Übersicht

Khénifra
Khénifra Aguelmam Azigza National Park



Khénifra
befindet sich in der Region Béni Mellal-Khénifra im Zentrum Marokkos. Die Kleinstadt zählt etwa 85.000 Einwohner. Khénifra ist auch gleichzeitig die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Seit der alawitische Sultan Mulai Ismail Ende des 17. Jahrhunderts eine Kasbah errichten ließ, gehörte die Stadt überwiegend zum Einflussbereich der Sultane. Sie ist ein Gewerbe- und Handelszentrum sowie Marktort für Ackerbauprodukte und Zentrum für Schafzucht. 25 Kilometer östlich der Stadt befindet sich der Aguelmam Azigza National Park, ein Gebiet mt einem See und an den bewaldeten Hängen des Berges wachsen Zedern. Dieser Ort ist eine Art Sommerfrische für die Bewohner der Umgebung.


Map Khénifra



Khénifra
Khénifra ...schöner Platz vor den Mauern der Kasbah...


Khénifra liegt am Fluss Oum er-Rbia in einer Höhe von ca. 830 m ü. d. M. am Westrand des Mittleren Atlas an der Nationalstraße 8 (route impériale), der im Mittelalter als Kamelkarawanenroute zwischen Fès im Nordosten und Marrakech im Süden große Bedeutung zukam. Die nächste größere Stadt Richtung Norden ist das ca. 82 Kilometer (Fahrtstrecke) entfernte Azrou; ca. 100 bzw. 125 Kilometer in Richtung Südwesten liegen Kasba Tadla und Beni-Mellal und etwa 135 Kilometer südöstlich befindet sich die Stadt Midelt. Was bei einem Rundgang durch die Stadt sofort auffällt, ist die Fassadenfarbe der meisten Häuser, die in einem hellrötlichen Farbton gestrichen sind.


Namensherkunft

Khénifra
Khénifra Hauptstraße in der Innenstadt


Die Straßen und die Häuserzüge sind großzügig geplant und gebaut worden, es gibt ein paar kleine Parks und einen großen Brunnen mit Wasserfontäne. Am Besten hat mir der schön gestaltete Platz vor den Toren und Mauern der Kasbah gefallen. Die Herkunft des Namens Khénifra wird unterschiedlich gedeutet. Er könnte vom berberischen „khanfar“ abgeleitet sein, das mit „Angriff“ übersetzt wird und bei der wechselvollen Geschichte der Region plausibel erscheint. Eine alternative Begründung ist die Anekdote von einem starken Mann, der auf der Straße Passanten belästigt haben soll. Daneben gibt es das beliebte Spiel akhanfer, das „fangen“ bedeutet. Die Abstammung von al-hafra („Grube“) würde sich auf die Lage zwischen den Bergen beziehen. Der Namenszusatz Khénifra al-hamra („das rote Khénifra“) könnte das rotbraune Land oder die rötlichen Häuserfassaden meinen.





Geschichte

Khénifra
Khénifra Kasbah Mouha Ou Hammou Zayani in Khénifra um 1914 - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Mit der Eroberung durch die Almoraviden 1057/58 lag die Region über Jahrhunderte im Grenzbereich zwischen dem Land, das von den Sultanen verwaltet wurde (bilad al-makhzen), und dem Einflussbereich verschiedener Berberstämme, also dem „Land der Abtrünnigen“ (bilad al-siba). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts stellte die berberische Dila-Bruderschaft eine Bedrohung für die herrschende Alawiden-Dynastie dar. Sultan Mulai ar-Raschid vertrieb 1668/69 den Sufi-Orden; 1677 konnte sein Nachfolger Mulai Ismail nur mit Mühe einen Sieg über die wieder zurückgekehrten Ordenskrieger erringen. Die Gegend am Fuß der Berge war ein Winterlagerplatz für Viehnomaden des Ait-Affi-Stammes, eines Zweiges der Zaian-Berber. Über die Geschichte Khénifras ist nichts Genaueres aus der Zeit vor den Kämpfen zwischen den Truppen des Sultans und den Berbern bekannt.


Khénifra
Khénifra Impressionen


Das Gebiet wurde über Jahrhunderte hinweg zum Schlachtfeld. Der Alawiden-Sultan Mulai ar-Raschid besiegte 1668/69 die berberische Sufi-Bruderschaft der Dila und zerstörte ihren in der Nähe von Kasba Tadla gelegenen Hauptsitz (Zawiya). Der oberste Marabout und seine Begleiter flohen in das osmanisch kontrollierte Tlemcen (heute im Nordwesten Algeriens). Mit osmanischer Unterstützung kehrte der Dila-Marabout Ahmad al-Dalai 1677 aus dem Exil zurück, ließ die Zawiya wiederherstellen und erhielt erneut die Unterstützung der meisten Stämme aus der Tadla-Region und dem Mittleren Atlas gegen den Sultan. Der Nachfolger von ar-Raschid, Sultan Mulai Ismail konnte 1677 nur mühsam einen Sieg über den Orden erringen.


Khénifra
Khénifra Impressionen


Im Jahr 1688 ließ Mulai Ismail zur Absicherung seines Reiches entlang der Karawanenroute (Makhzen-Straße) in Khénifra eine befestigte Siedlung (Kasbah) errichten. Weitere Kasbahs entstanden in Kasba Tadla, Beni-Mellal und anderen Orten in einer Reihe. Diese Festungen entlang der Grenze des Makhzen-Landes mussten immer wieder Berberangriffen standhalten. Seit 1877 befanden sich alle Stammesgruppen der als fremdenfeindlich geltenden Zaian-Berber unter dem Kommando von Moha ou Hammou (Mohammed ou Hammou ben Akka ben Ahmed - 1863 - 1921). Anfangs befand sich dieser einflussreiche Mann auf der Seite des Sultans. Bald wandte er sich jedoch von der Zentralregierung ab und begann, Karawanen zu überfallen und die umliegenden Städte bis nach Meknès anzugreifen. Nach Abschluss des Protektoratsvertrags im November 1912 nahm er den Kampf gegen die französischen Streitkräfte auf und erklärte den Dschihad.


Khénifra
Khénifra Karte vom Vormarsch der drei franzsösichen Truppenkontingente in Richtung Khénifra im Juni 1914 - Karte: Wikipedia - Autor: Dumelow - Lizenz: s.u.


Im Frühjahr 1913 begannen die Franzosen mit ihrem Vormarsch Richtung Mittlerer Atlas entlang der Makhzen-Straße, die zur Operationsbasis für alle Gegner der Zentralherrschaft geworden war. Khénifra, die Basis von Moha ou Hammons Kämpfern wurde bei der Operation Lyautey (Generalresident Hubert Lyautey - Marschall von Frankreich) von drei Truppenkontingenten angegriffen, die aus Richtung Meknes, Rabat und Kasba Tadla angerückt waren. Unter dem Kommando von Colonel Paul Henrys waren 14.000 Mann beteiligt. Der Vormarsch auf die Stadt begann am 10. Juni 1914. Trotz heftiger Gegenwehr gelang es, am 12. Juni eine leere Stadt zu erobern. Dennoch blieb Khénifra weiterhin eine belagerte Garnisonsstadt. Am 13. November 1914 wurde unter dem Kommando von Colonel René Laverdure die Operationsbasis von Moha ou Hammon in el-Herri angegriffen, um ihn vernichtend zu schlagen. Der Überraschungsngriff gelang und das Lager des Gegners wurde vollständig zerstört.


Khénifra
Khénifra Pascha Hassan trifft den Berberführer Mohammed ou Hammou ben Akka ben Ahmed, nachdem er sich General Poemyrau ergeben hatte - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Auf dem Rückweg jedoch wurden die französischen Truppen jedoch von einer Überzahl von mehreren 1000 Zaian aus den umliegenden Bergen angegriffen. Von den sechs französischen Kompanien, zwei Mannschaften mit Kanonen und einer Kavallerieeinheit (insgesamt etwa 1230 Mann) wurden 613 Soldaten einschließlich Laverdure getötet. Einzig die schon vorher zurückgeschickten Verwundeten erreichten die Stadt. Khénifra entging nur knapp dem Schicksal, erobert zu werden. In diesem Fall wäre die gesamte Verteidigungslinie am Mittleren Atlas zusammengebrochen. An Khénifra schien für Lyautey das gesamte Protektorat zu scheitern; es blieben die schlimmsten Verluste während der „Befriedungsaktionen“ im Landesinnern. Der Kampf in dieser Region war erst ab dem 27. März 1921 mit dem Tod des Caid Moha ou Hammon beendet. [1]


Khénifra
Khénifra ...die sogenannte protugiesische Brücke aus dem 17. Jahrhundert - Foto: Wikipedia - Autor: Hadraj Said - Lizenz: s.u.


Khénifra liegt zu beiden Seiten des Oum er-Rbia, der sich in nord-südlicher Richtung in einem engen Flussbett durch die Stadt schlängelt. Wegen seiner hohen Fließgeschwindigkeit gab es nie eine Furt, daher ließ Mulai Ismail im 17. Jahrhundert zeitgleich mit der Kasbah eine Brücke erbauen. Die dreibogige Steinbrücke mit einem großen mittleren Spitzbogen und zwei kleinen seitlichen Öffnungen ist die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt und heißt – wahrscheinlich wegen der christlichen Gefangenen, die sie erbauten – Pont Portugais, genauso wie eine wesentlich längere Brücke in Kasba Tadla.


Khénifra
Khénifra Kasbah Mouha Ou Hammou


Die modernen Geschäfts- und Wohnviertel mit langgezogenen Wohnblocks entlang breiter Straßen sind einheitlich in der landestypischen rotbraunen Farbe gestrichen. Sie liegen auf der linken (östlichen) Seite des Flusses. Außer dem Pont Portugais führen zwei neue Straßenbrücken auf die rechte Flussseite. Um die kleine alte Medina mit ihrem Marktbereich sind dort weitläufige einfache Wohnviertel entstanden. Von der Kasbah des Moha ou Hammou sind noch einige Mauern, Tore und Ruinen vorhanden. Zumindest bis Anfang der 1970er Jahre gab es noch geringe Reste der Kasbah Mulai Ismails. [1]


Quellenangabe:


1.: Die Informationen zur Geschichte von Khénifra basieren auf dem Artikel Khénifra (22.01.2016) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Sie stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Die Fotos "Pont Portugais - Autor: Hadraj Said" - "Karte vom Vormarsch der drei franzsösichen Truppenkontingente - Autor: Dumelow" unterliegen der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported und dürfen unter deren Bedingungen weitergegeben werden.

Das Foto "Blick auf Khénifra - Autor: ANASSE J25" unterliegt der Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0).


Fotos aus Khenifra



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