Stadt Tétouan

Tétouan

Königlicher Palast (Palais royal) - Foto: Wikipedia - Autor: Dickelbers - Lizenz s.u.




Überblick

Tètouan

Stadtansicht unterhalb des Djebel Dersa - Foto: Wikipedia - Autor: Anassbarnichou2 - Lizenz: s.u.



Die Stadt Tétouan (arabisch: Titwan - spanisch: Tetuán) befindet sich im Norden von Marokko und liegt unweit der Mittelmeerküste des Landes. Tétouan ist eine Großstadt und besitzt etwa 350.000 Einwohner. Seit dem Jahr 1999 ist sie wegen ihres gemäßigten Klimas die Sommerresidenz von König Mohammed VI (Mohammed Ben Al-Hassan). Der berberische Name der Stadt bedeutet wörtlich „Augen“. Sie hat auch den poetischen Beinamen „Die weiße Taube“ (französisch: La Colombe blanche). Die Stadt besitzt auch zahlreiche Hinterlassenschaften aus der spanischen Protektoratszeit. Tètouan befindet sich etwa 60 km östlich der Stadt Tanger und 40 km südlich der spanischen Exclave Ceuta, die an der Straße von Gibraltar liegt.

 

Map Tétouan




Tétouan

Stadtansicht - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Für marokkanische Verhältnisse gibt es hier zahlreiche Niederschläge, da sich die Stadt an den nördlichen Ausläufern des Rifgebirges, etwa 90 Meter ü. N.N., befindet. Die Mittelmeerküste ist nur etwa 10 Kilometer (Luftlinie) von Tètouan entfernt. Somit können auch die Strände von Plage Martil und Sidi Abdeslam Beach zum Sonnen und Baden genutzt werden. Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Rif-Berbern und Arabern, doch haben sich die Kulturen weitgehend vermischt. Gesprochen wird marokkanisches Arabisch und Tarifit. Die Einwohner der Stadt leben hauptsächlich von Handwerk, Handel und vom Tourismus. Daneben spielen die Fischverarbeitung und das Pulen von Nordseekrabben eine wichtige Rolle. Weitere Einnahmequellen bieten die dort angesiedelte Textil-, Zigaretten- und Elektroindustrie.


 

Geschichte

Tétouan

Stadttor Puerta de la Reina (Bab el Oqla) Foto: Wikipedia - Autor: Jaro Varga - Lizenz: s.u.


Anders als bei anderen Städten an der Mittelmeerküste sind für Tetouan keinerlei Zeugnisse aus phönizischer Zeit belegt. Die Römer gründeten in der Nähe der heutigen Stadt eine Militärsiedlung mit Namen Oppidum Tamuda. Im 14. Jahrhundert war Tétouan als Seeräubernest gefürchtet und wurde deshalb wiederholt von kastilischen Schiffen angegriffen. Nach der Eroberung Granadas (1492) und nochmals zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelten sich wie im gesamten Nordafrika maurische und jüdische Flüchtlinge aus Andalusien an, was einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt zur Folge hatte. Im späten 17. Jahrhundert wurde die Stadt von dem Alawiden Sultan Moulay Ismail (Moulay Ismaïl Ibn Chérif - 1645 - 1727) genommen, der dort auf heftigen Widerstand stieß.


 

Tètouan

Fort am Stadttor Bab el Oqla - Foto: Wikipedia - Autor: Jaro Varga - Lizenz: s.u.


Tétouan blieb fragil, bis die Stadt von Ahmad al-Riffi, dem Gouverneur von Tanger und Führer der Berber Stämme aus dem Rif-Gebiet erobert wurde. Diese Herrschaft läutete eine Periode der Stabilität in Tétouan ein, viele alte Gebäude stammen aus dieser Zeit. Nach seinem Tod rebellierte die Stadt und wurde eine Zeit lang nur nominell von der Zentralregierung kontrolliert. Im Rahmen des Spanisch-Marokkanischen Krieges fanden bei Tétouan mehrere kleine, jedoch sehr blutige Gefechte zwischen Spaniern und Marokkanern statt, nach denen die Spanier am 4. Februar 1860 die Stadt besetzten. Nach einer am 23. März westlich von Tétouan erlittenen entscheidenden Niederlage baten die Marokkaner um Waffenstillstand.


 

Village de Bni Hassan . au sud de Tetouan
Village de Bni Hassan, im Süden von Tètouan - eingebunden über Wikimedia Commons



Tètouan

Spanisches Konsulat in Tètouan - Foto: Wikipedia - Autor: Jaro Varga - Lizenz: s.u.


Bereits Ende des 19. Jahrhunderts – nach dem Verlust seiner überseeischen Kolonien – engagierte sich Spanien zunehmend im Norden Marokkos und im Jahr 1913 wurde Tétouan Residenzstadt des spanischen Hochkommissars in Marokko. In Spanisch-Marokko begann am 17. Juli 1936 der Staatsstreich des Militärs zum Sturz der spanischen Regierung, wobei die Militärs in Tétouan loyal zur spanischen Regierung standen. Nach der Einnahme Tétouans und der Luftwaffenbasis Sania Ramel liquidierten die Putschisten den Hochkommissar von Spanisch-Marokko und den Major Ricardo de la Puente Bahamonde mit weiteren 189 Republikanern. Während des spanischen Bürgerkriegs wurde Tétouan von Flugzeugen der republikanischen Seite bombardiert. Im Jahre 1956 gab Franco dem internationalen Druck nach und stimmte der Unabhängigkeit Marokkos zu [1].


 

Tètouan

...römisches Mosaik im Archäologischen Museum von Tètouan - Foto: Wikipedia - Autor: Jaro Varga - Lizenz: s.u.


Im Jahr 2015 wurde durch die Internationale Astronomische Union (IAU) der Doppelstern Titawin nach der Stadt benannt. Es gibt auch einen kleinen Flughafen in Tètouan- er liegt etwa gut 6 km nordöstlich von Tetouan. Der Flughafen von Tetouan heißt Sania Ramel und er ist flächenmäßig einer der kleinsten Marokkos und liegt direkt am Stadtrand. Saisonal fliegt Jetairfly via Lüttich (Belgien) nach Tètouan. Andere saisonale Flüge bieten XL Airways, Europe Airpost und Transavia mehrmals wöchentlich via Paris (Frankreich) sowie ab dem 5. März 2013 Corendon Airlines nonstop ab Amsterdam (NL).

Unten: Video über Tetouan in arabischer Sprache mit sehr schönen Bildern. Der Film gewährt Einblicke in den marrokanischen Alltag....


 



Sehenswürdigkeiten

Tètouan

Medina von Tètouan - Foto: Wikipedia - Autor: Jaro Varga - Lizenz: s.u.


Was gibt es in Tètouan zu sehen und zu besichtigen? Zu allererst sei die Medina genannt, zwar nicht so groß wie in anderen Städten z.B. in Marrakech, aber das Gewirr von Gassen, Häusern, kleinen Plätzen und nicht zuletzt die Läden innerhalb dieses Viertels ziehen einen in den Bann. Man kann u.a. den Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen, in Geschäften stöbern, marokkanisches Kunsthandwerk kaufen oder man läßt sich einfach treiben in dem Gewirr von Häusern und Straßen. Die Medina von Tétouan zählt übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Besonderheit innerhalb der Medina ist die Mellah- das ehemalige jüdische Viertel. Es gibt natürlich auch einige Moscheen, die man von außen sehen kann, zwei Museen, wenn ich mich recht erinnere und der Königspalast (natürlich nur Außenansicht). Die auf einer Anhöhe liegende Kasbah wird militärisch genutzt und kann nicht besichtigt werden.


 

Tétouan

Katholische Kirche Nuestra Señora de la Victoria - Foto: Wikipedia - Autor: Jaro Varga - Lizenz: s.u.


Das sehenswerte Archäologische Museum (Musée d’archuéologie) zeigt vorgeschichtliche Funde sowie eine schöne Sammlung römischer Mosaike, Münzen und Keramiken; im Gartenbereich findet sich eine große Anzahl von Grabsteinen – libysch-berberische, römische, islamische, jüdische und portugiesische in friedlichem Nebeneinander. Ein weiteres Museum (Musée d'ethnographie) befindet sich am entgegengesetzten Ende der Medina in der Nähe des Gerberviertels. Auch die Bauten aus der spanischen Kolonialzeit – insbesondere die im neomaurischen Stil erbaute Pfarrkirche Nuestra Señora de la Victoria an der Place Moulay el Mehdi – sind sehenswert. Die Ruinen des etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegenden römischen Oppidum Tamuda, einer Militärsiedlung mit quadratischem Grundriss, lohnen einen kurzen Besuch [1].

Weitere Informationen zum UNESCO-Weltkulturerbe von Tétouan finden Sie hier....!


 

Quellenangabe:


1.: Die Informationen zur Geschichte von Tétouan basieren auf dem Artikel Tétouan (04.02.2015) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Die Fotodateien "Königlicher Palast (Palais royal) - Autor: Dickelbers" - "Stadttor Puerta de la Reina (Bab el Oqla); Katholische Kirche Nuestra Señora de la Victoria; Fort am Stadttor Bab el Oqla; Medina von Tètouan; Spanisches Konsulat in Tètoua; ...römisches Mosaik im Archäologischen Museum von Tètouan; (6 Fotos) - Autor: Jaro Varga" - "Stadtansicht unterhalb des Djebel Dersa - Autor: Anassbarnichou2" unterliegen der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported und dürfen unter deren Lizenz weitergegeben werden.


 



-Anzeige-



Melilla Marrakech Volubilis Topographie Marokkanische Küche Christoph Columbus Römer Meerenge von Gibraltar Startseite Berge des Atlas Agadir Chefchaouen Maghreb Fes Ceuta Tètouan Marokkanischer Wein Gibraltar Geographie Marokko Meknes Reiseinformationen Marokko